Bulgaristik

Nur an sehr wenigen Universitäten in Deutschland wird bulgarische Literatur-, Sprach- und Kulturwissenschaft im Bachelor- und Masterstudium angeboten.  

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Bulgarisch lernen: Perspektiven eines Studiums

 

Perspektiven während des Bulgaristik-Studiums am Slavischen Institut

  • Das slavische Institut der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg gehört zu den ganz wenigen Instituten in Deutschland, die Bulgarisch auf wissenschaftlichem Niveau anbieten.
  • Sie bekommen ein umfangreiches Lehrangebot in bulgarischer Sprache, Literatur, Kultur und Landeskunde.
  • Sie bekommen eine intensive, fast individuelle Betreuung.
  • Sie können mit einem Erasmus-Stipendium 6 Monate in Bulgarien verbringen und an der besten bulgarischen Universität, der Sofioter Universität „Sv. Kliment Ohridski“, Lehrveranstaltungen besuchen, die später in Heidelberg anerkannt werden.
  • Sie können mit einem Stipendium an einem Sommersprachkurs in Veliko Tǎrnovo oder Sofia teilnehmen.
  • Sie können sich an verschiedenen Lehr- und Forschungsprojekten im Bereich Bulgaristik schon während des Studiums beteiligen.
  • Sie finden schnell und problemlos eine/n bulgarische/n Studentin/Studenten, die an der Universität Heidelberg studieren, für ein Sprachtandem.

 

Perspektiven nach dem Bulgaristik-Studium am Slavischen Institut

  1. Seit dem 1. Januar 2007 ist das Bulgarische eine der Amtssprachen der EU. Wegen der Mitgliedschaft Bulgariens ist das kyrillische Alphabet das dritte offizielle Alphabet der EU. ► Aus diesem Grund sind die Beherrschung der bulgarischen Sprache und die entsprechenden Kenntnisse über das Land ein wichtiger Vorteil für jede zukünftige Bewerbung bei den Institutionen der EU.
  2. Im Rahmen der Verringerung der Entwicklungsunterschiede zwischen den alten und den neuen Mitgliedstaaten muss Bulgarien, um Finanzhilfen bekommen zu können, in den nächsten Jahren mit deutschen und anderen westlichen Unternehmen, Stiftungen und Instituten verschiedene Kooperationsformen schließen.
  3. Deutschland ist schon heute einer der größten und wichtigsten Wirtschaftspartner Bulgariens. Nach offiziellen Angaben haben über 5000 deutsche Unternehmen Geschäftsbeziehungen mit Bulgarien, 1200 von ihnen haben ihre Niederlassungen dort. Der Warenumsatz zwischen den beiden Ländern beläuft sich im Jahr 2010 auf 3 Milliarden Euro.
    Die direkten deutschen Investitionen betragen ca. 300 Millionen.
    ► Die Beherrschung der bulgarischen Sprache und die entsprechenden Kenntnisse über das Land sind ein wichtiger Vorteil für jede zukünftige Bewerbung bei allen diesen westlichen und deutschen Unternehmen und Institutionen.
  4. Dank der ersten Generation nach der Wende, die nicht mit dem kommunistischen Mentalitätserbe belastet ist, erlebt das kulturelle Leben in Bulgarien momentan einen spürbaren Aufschwung. Die jungen Leute sind weltoffen, entwickeln im Rahmen von internationalen Programmen eigene Kunst- und Kulturprojekte und suchen nach intensivem Umgang und Partnerschaft mit gleichgesinnten jungen Leuten aus den anderen Ländern.
    ► Mit Ihren Bulgarischkenntnissen und mit Ihrer Einsicht in die bulgarische Kultur können Sie einer dieser Partner werden.
  5. Die kleinen Sprachen und Kulturen wie das Bulgarische können sich in der heutigen globalisierten Welt als Oasen der alten Geschichte und Kultur, der erhaltenen Traditionen und Sitten behaupten. Sie sind immer noch von den globalen Entwicklungen verschont.
    ► Seit ca. 1000 Jahren existiert das Bulgarische als Schrift-, Amts- und Literatursprache. Genauso alt ist die Geschichte der bulgarischen Literatur und der hohen Kultur.
    ► Bulgarien ist, nach Italien und Griechenland, das Land mit dem drittgrößten Schatz von archäologischen Denkmalen in Europa.
    ► Wenn Sie sich für einen Teil des kulturellen Erbes Europas und eine recht gut erhaltene traditionelle Kultur auf dem Balkan interessieren, in der die altertümliche Gastfreundschaft und der moderne Lebensgenuss zusammenleben, finden Sie in Bulgarien viel Material zum Forschen und Genießen.

 

Die bulgarische Sprache

 

Das Bulgarische:

  • ist Muttersprache von ca. 11 Millionen Menschen in Bulgarien (ca. 7,8 Millionen) und im Ausland
  • existiert seit ca. 1000 Jahren als Schrift-, Amts- und Literatursprache
  • ist seit 2007 eine der Amtssprachen der Europäischen Gemeinschaft
  • zählt zu der Familie der slavischen Sprachen (im Wortschatz auffallende Ähnlichkeiten insbesondere mit dem Russischen und Serbischen)
  • gehört zusammen mit dem Serbischen, Kroatischen, Bosnischen, Slowenischen und Mazedonischen zur Gruppe der südslavischen Sprachen
  • weist zahlreiche grammatische Gemeinsamkeiten mit andern nicht slavischen Balkansprachen wie dem Griechischen, Albanischen, Rumänischen usw. (sog. Balkansprachbund) auf. Es hat innerhalb der slavischen Sprachen einen besonderen Stellenwert, weil es im Kontakt mit den anderen Balkansprachen ausgeprägt analytische Züge entwickelt hat.
  • wird mit einer Variante des kyrillischen Alphabets geschrieben

Das Bulgarische ist eine analytische Sprache (die grammatischen Beziehungen im Satz drückt man nicht durch Kasusformen aus, sondern durch Präpositionen, Partikel, Wortstellungsregularitäten und andere Mittel).

 

Geschichte der bulgarischen Schrift- und Standardsprache:

Vornationale Epoche

  1. Die altbulgarische Periode vom Ende des 9. bis zum Ende des 11. Jh.;
  2. Die mittelbulgarische Periode vom Beginn des 12. bis zum Anfang des 18. Jh.;
  3. Die Periode der allmählichen Auflösung des mittelbulgarischen Systems bis zum Beginn der nationalen Epoche um 1820.

Nationale Epoche

  1. Die Periode der Lösung der sogenannten Sprachenfrage von etwa 1820 bis 1878;
  2. Die Periode der Übernahme aller Funktionen in einem Nationalstaat und der zunehmenden Differenzierung von Funktionalstilen und Stilschichten bei weiterer Verwendung der Dialektsprache von 1878 bis 1950; von 1920 bis 1950 wird aus der Schriftsprache eine Standardsprache;
  3. Die Periode der allmählichen Durchsetzung der Standardsprache in allen Bereichen und Schichten der Gesellschaft von 1950 bis heute.

 

Bulgarische Literatur

 

Die bulgarische Literatur

  • entwickelt sich seit über 1000 Jahren mit einer Unterbrechung von ca. 500 Jahren während der türkischen Herrschaft in Bulgarien;
  • ist der wichtigste Bestandteil der Herausbildung der bulgarischen Schriftsprache;
  • hat im Mittelalter überregionale Bedeutung im Rahmen des christlich-orthodoxen Kulturgebiets;
  • entwickelt sich seit dem 19 Jh. unter dem ausschlaggebenden Einfluss der deutschen und der russischen Literatur;
  • wird in der Epoche der literarischen Moderne unmittelbar von den literarischen Prozessen im Westeuropa beeinflusst.

 

Epochen der bulgarischen Literatur

  1. Altbulgarische Literatur (seit dem Ende des 9. Jh. bis zum Ende des 14. Jh.)
  2. Literatur der bulgarischen Wiedergeburt (1762 – bis zum Ende des 19. Jh.)
  3. Literatur der bulgarischen „Moderne“ (um 1900 bis zum Ende der 30er Jahre)
    ►Postromantischer Individualismus des Kreises „Misal“ (um 1900 bis 1907)
    ►Symbolismus (um 1905/1907 bis 1931)
    ►Expressionismus (von 1919/1920 bis 1923)
    ►Diabolismus (1922 bis in die 30er Jahre hinein)
  4. Literatur der sozialistischen Periode (von 1944 bis 1989)
  5. Literatur nach der Wende (von 1989 bis heute)

 

Einige Charakteristika der einzelnen Epochen:

  1. Altbulgarische Literatur (seit dem Ende des 9. Jh. bis zum Ende des 14. Jh.)
    ►die altbulgarische Literatur und das bulgarische Schrifttum bilden das drittgrößte kulturelle und religiöse Gebiet im mittelalterlichen Europa
  2. Literatur der bulgarischen Wiedergeburt (1762 – bis zum Ende des 19. Jh.)
    ►dient hautsächlich der Herausbildung und Konsolidierung der bulgarischen Nation
    ►steht unter dem Zeichen des Realismus
    ►in der bulgarischen Literatur vollzieht sich eine intensive Rezeption der russischen, griechischen und serbischen Literatur
  3. Literatur der bulgarischen „Moderne“ (um 1900 bis zum Ende der 30er Jahre)
    ►die „Blütezeit“ der bulgarischen Literatur;
    ►radikale Öffnung der bulgarischen Literatur durch intensive Rezeption der westeuropäischen literarischen Moderne
  4. Literatur der sozialistischen Periode (1944 – 1989)
    ►entwickelt sich vorwiegend nach der Doktrin des sozialistischen Realismus;
    ►trotzdem arbeiten in der ganzen Periode einzelne Autoren an alternativen stilistischen und ästhetischen Varianten
  5. Literatur nach der Wende (von 1989 bis heute)
    ►totale ästhetische Kehrtwende
    ►alle Charakteristika, Stilrichtungen und Varianten der zeitgenössischen fremdsprachigen Literaturen sind auch in der bulgarischen Literatur vorhanden
    ►Literatur steht unter dem Zeichen der neu gefundenen künstlerischen Freiheit und des ästhetischen Experiments

 

 

Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Slavisches Institut Heidelberg
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Letzte Änderung: 05.07.2016
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